Warum Microblogging?
Die Restriktion der Microblogging-Dienste auf 140 Zeichen erinnert an die SMS: Fasse Dich kurz und beschränke Dich auf Text! Für kurze reine Statusmitteilungen ist dies sicherlich ausreichend. Soll mehr Information vermittelt werden, muss diese verteilt oder/und komprimiert werden. Die direkte Einbindung von Bildern, Videos, Textformatierungen, Gliederungen macht bei diesen Beschränkungen keinen Sinn und selbst Links müssen oftmals nochmals durch “shortening” Dienste gekürzt werden (was dazu führt, dass die Links dann keine sprechende URL mehr aufweist). Somit muss bei entsprechendem Darstellungsbedarf jeweils ein externer Link gesetzt werden. Die Daten selbst befinden sich dann außerhalb des Microblogging -Systems.
Ich beobachte seit einiger Zeit die Aktivitäten bei den Microblogging Diensten und habe mich gefragt, ob es sich um einen kurzzeitigen Hype handelt oder ob tatsächlich ein Ansatz dahintersteht, der über bisherige Systeme hinausgeht?
- Statusmitteilungen, kurze Botschaften, Aufenthaltsorte austauschen und/oder kurze Absprachen mit Freunden/Bekannten treffen, das funktioniert gut mit Microblogging, allerdings funktioniert dies natürlich auch per Instant Messaging oder (Push-)e-mail.
- Neuigkeiten, Informationen, Kommentare, aktuelle Ereignisse schnell an einen Kreis von Interessenten verteilen, die wiederum bei Interesse dies schnell in Ihren eigenen Kreis von Interessenten (Follower) weiterverteilen können. Hier sehe ich einen Vorteil im wirklich einfachen schnellen Verteilvorgang.
- Auch das Erreichen von neuen, einem bislang persönlich nicht bekannten Personen ist über Microblogging gut zu realisieren. Wer allgemeine Themen adressiert oder sich noch besser auf Spezialgebiete konzentriert wird rasch andere “Experten” oder Interessierte finden, die sicherlich auch gerne bereit sind, eine Rückmeldung zu geben. Bei einer gewissen Zahl an “Follower” kann dann auch sehr schnell mit Feedback gerechnet werden.
- Ein Bewerben von (vermeintlich) interessanten Informationen im Netz, inklusive der Eigenwerbung kann aufgrund der zuvor geschilderten schnellen Verbreitungsgeschwindigkeit der Daten und der Menge der Nutzer schnell eine Welle auslösen und damit publik machen. Wellen neigen natürlich auch zu einer gewissen Dynamik, was einen Kontrollverlust bedeuten kann und somit auch ungewollte Effekte zeitigen kann. Dies haben schon einige Firmen leidvoll spüren müssen und auch Falschmeldungen müssen erst einmal wieder “eingefangen” werden.
Es finden sich somit einige günstige Aspekte für Microblogging. Für Neueinsteiger stellen sich meist einige der folgenden Fragen:
- Was bedeuten die Kürzel bei anderen Nutzern? Hilfe bietet z.B. http://www.teltarif.de/twitter-regeln-abkuerzungen/news/36152.html
- Wie bringe ich Medieninhalte (Fotos, Videos), strukturierter Text und Links unter? Oder wie sprenge ich die Grenze von 140 Zeichen? Siehe beispielsweise tumblr.com
- Wie mache ich bestimmte Nachrichten nicht öffentlich zugänglich?
- Wie erreiche ich Freunde/Bekannte?
Gerade die letzte Frage ist unter Umständen schwer zu beantworten, da viele Dienste als geschlossene Systeme agieren. Wenn die Freunde/Bekannte dort nicht registriert sind, dann sind diese auch nicht erreichbar. Undenkbar, wenn es diesen Zustand bei e-mails geben würde. Inzwischen versuchen Services die verschiedenen Microblogging-Systeme zu aggregieren oder ein Format zu definieren, um ein Austausch, eine Durchlässigkeit zu erreichen (OMB).
Microblogging-Dienste:
- Twitter gehört (noch) zu den weitgehend geschlossenen Diensten, aber weist wohl die höchste Nutzerzahl auf.
- Openmicroblogger stellt ein Versuch einer offenen Schnittstelle (OMB) dar mit OpenSource Software, die auch auf eigenem Webspace installiert werden kann. Irgendwie scheinen aber die Aktivitäten zurückgegangen zu sein. Mitte 2009 sind die letzten Blogeintragungen zu sehen.
- Status.net (identi.ca, ehemals laconica) beschäftigt sich als OpenSource Projekt auch mit der Möglichkeit das System selbst installieren zu können und bietet auch eine gehostete Version (identi.ca) und die Unterstützung von OMB an.
- Weitere Dienste: Jaiku (wurde 2007 von Google übernommen und 2009 als Jaikuengine als OpenSource veröffentlicht), Pownce, Plurk u.v.a.
- Im Februar 2009 ergänzte Google sein e-mail Angebot googlemail um einen Microbloggingdienst google buzz. Wie sich dies auf Twitter oder Facebooks Aktivitäten auswirkt, wird sich zeigen.
Update 08-05-2010:
- Ein weiteres interessantes OpenSource Projekt hat sich inzwischen mit Sharetronix gezeigt.
Update 13-05-2010
- Trillr basiert auf Python, allerdings hat es seit über einem Jahr offensichtlich keine Weiterentwicklung gegeben.
- Ein weiterer Dienst, Floopo, hat offensichtlich das gleiche Schicksal ereilt: Seit August 2009 wurde keine neue Version mehr veröffentlicht.
- Jisko sieht von der Entwicklung gut aus, basiert auf PHP und Zugriffseinstellungen sind integriert. Der Leistungsumfang ist nicht herausragend, aber für Mikroblogging Aufgaben sehr gut geeignet.
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