Wie im ersten Beitrag über die RC Heli-Fliegerei geschildert, machte ich mit dem Blade 120SR meine ersten Heli-Erfahrungen als Anfänger. Hierbei wollte sich das Erfolgserlebnis nicht so recht einstellen, da das Modell sehr direkt reagiert und bei Kollissionen mit allerlei Hindernissen die Zeit in der Luft stark reduzierte. Nachdem dann auch noch die Ersatzteilverfügbarkeit sehr zu wünschen übrig gelassen hat, entschloss ich mich dem Tipp des Fachhändlers nach einem Koax-Heli als Einstieg zu folgen.
Ich stöberte im Internet, ob es diesbezüglich Empfehlungen gab und wurde bei fpv-flieger fündig. Der LAMA V4 von E-Sky war schnell bestellt und ich orderte auch gleich ein paar Ersatzteile, was sich als guter Entschluss herausstellen sollte.

Das Erfolgserlebnis stellte sich hier schnell ein. Nach kurzer Zeit war es möglich, den Heli in Innenräumen fliegen zu lassen. Kollissionen blieben auch hier nicht aus, allerdings zeigte sich der LAMA träger bei Knüppelbewegungen. Bewegungen des Helis in eine nicht gewünschte Richtung können schnell korrigiert werden.
Was nicht Jedem gefallen wird, sind die zwei blinkenden LEDs unterhalb der Kabine sowie eine am Heck. Das ist aber sicherlich eine Geschmackssache. Durchgehend leuchtende LEDs im Kabinenbereich würden der Fähigkeit für Nachtflüge sicherlich steigern.
Schön ist die Ready-to-fly (RTF) Ausstattung mit allem, was zum Start Out-of-the-Box notwendig ist. Nach dem Laden des Akkus kann es losgehen und bei Bedarf steht auch noch ein Satz Ersatzrotorblätter zur Verfügung.
Bei den Flügen im Indoorbereich kam es zu Berührungen mit Einrichtungsgegenständen. Die Rotorblätter weisen anschließend kleine Kerben auf und nach einiger Zeit brechen die Blätter bei weiteren Kollissionen.
Da der Koax zwei direkt übereinander liegende Rotorebenen aufweist, mit jeweils 2 Blättern und dabei alle Blätter Hindernisse berühren können, ist es empfehlenswert, insbesondere bei Bruch, die Rotorblätter immer paarweise auf einer Ebene zu tauschen. Hierdurch wird eine Unwucht vermieden. Die Blätter tragen die Kennzeichnung A (oben) und B (unten) entsprechend der Ebene für die diese vorgesehen sind.
Schwachpunkte
Das Heck hat sich bei mir als Schwachpunkt erwiesen. Hier sind insbesondere bei schnelleren Drehungen in der Luft oder am Boden im Falle von Stößen an Hindernisse im hinteren Bereichs des Hecks aufgrund des schwachen Kunststoffs und des kleinen Flügels (siehe Foto)
Risse bzw. Abrisse zu erwarten. Die angebotenen Ersatz-Kabinenhauben scheinen hier besser konstruiert zu sein, verzichten aber auf die LED-Beleuchtung. Der Wechsel auf eine Ersatzhaube erfordert einige Montageaufwände, da die Originalhaube einteilig ausgeführt ist und die Rotorblätter, Paddelstange und das Landegestell sowie die drei Stecker für die Beleuchtung entfernt werden müssen. Die neue Kabinenhaube ist dafür 2-teilig und damit einfacher zu montieren oder für Einstellarbeiten zu entfernen.
Die Akkuaufnahme erfordert beim Einlegen des Akkus etwas Fingerspitzengefühl und beim Fliegen besteht Verrutschgefahr, selbst mit dem kleinen Klettband, das eigentlich zur Sicherung gedacht ist. Diese Schwierigkeiten sind nahezu weg, wenn eine andere Kabinenhaube montiert wird, da dann der Kunststoff der Haube die Akkuaufnahme eng umschließt.
Potential bietet auch die deutsche Bedienungsanleitung, die u.a. bei der Beschreibung des Akkuladens bei der Signalisierung einen Übersetzungsfehler enthält, der aber dank der englischen Version schnell korrigiert werden kann. Hier gehe ich davon aus, dass zumindest Übersetzungsfehler bald erledigt sein werden (vielleicht schon zum Zeitpunkt dieses Artikels…).
Das waren schon alle Kritikpunkte, die aber einfach über eine Ersatzkabinenhaube und das Lesen der englischsprachigen Bedienungsanleitung gelöst werden können.
Flugerfahrungen
Das Fliegen macht wirklich Spass und nach einiger Übung kann man den Hubschrauber durch das Wohnzimmer sausen lassen oder Treppenhäuser und Wohnungen damit “erkunden” – manchmal zur “besonderen Freude” der Mitbewohner zumal der Heli nicht vollständig geräuschlos unterwegs ist, Blätter und Zettel aufwirbelt, permanent das Risiko der Beschädigung von wertvollen Gegenständen gesehen wird und bisher saubere Flächen dank der Verwirbelungen beim Fliegen anschließend staubig aussehen.
Der Heli hat ohne jeglichen Einstellungsänderungen beim Erstflug einen sauberen Schwebeflug ermöglicht. Hierfür war er lediglich zügig auf 1m Höhe zu bringen, da dann der Bodeneffekt (Verwirbelungen) nicht mehr auf den Heli wirkt.
Dennoch werden wohl irgendwann Korrekturen der Einstellungen erforderlich, wenn ohne zusätzliche Knüppelbewegungen kein Schwebeflug mehr möglich ist. Bei kleineren Bewegungen lassen sich diese oftmals am Sender wegtrimmen.
Zieht der Heli deutlich zur Seite, nach vorne oder hinten, dann sollte die Stellung der Servostangen im Bereich der Taumelscheibe kontrolliert werden. Bei Bedarf einfach die Stangen aus den Kugelgelenken der Taumelscheibe ziehen und das Gestänge drehen bis ein Ausgleich erfolgt ist (oftmals 1-2 Drehungen). Gestänge wieder auf das Kugelgelenk einrasten und austesten. Bei Bedarf erneut korrigieren. Bei stärkerem Drehen um die Hochachse muss am Gyro mit einem Schraubendreher das Proportional-Rädchen nachgestellt werden damit die gegenläufigen Rotorebenenen wieder auf die gleiche Geschwindigkeit kommen. Hier liegen die Korrekturen am Gyro i.d.R bei wenigen Grad. Es empfiehlt sich aufgrund des geringen Verstellwinkels, den Ursprungszustand zu markieren oder einfach zu fotografieren, um bei Bedarf die letzte Einstellung wieder zurück nehmen zu können. Die Trimmung am Sender sollte vor den Einstellarbeiten auf die Mittelstellung gebracht werden und nach jeder Neueinstellung muss der Akku abgezogen und neu angeschlossen werden, da hierdurch eine Neuinitialisierung erfolgt. Die Einstellarbeiten des Gyros erfordern allerdings einiges Fingerspitzengefühl.
Ersatzteile und Tuningteile
Als Ersatzteile würde ich drei Sätze Rotorblätter (jeweils für Ebene A und B), eine Ersatzkabinenhaube/Rumpfzelle (gibt es in silber und blau) sowie mindestens ein Ersatzakku ordern. Letzterer hilft dabei, die Ladezeiten durch weitere Flugeinlagen zu überbrücken.
Darüberhinaus werden auch noch Tuningteile angeboten, die ich aber bislang nicht ausprobiert habe. Dass ich das tun werde, glaube ich nicht, da für mich mehr dafür spricht, auf ein anderes FP/CP-Modell zu wechseln, um weitere Erfahrungen zu sammeln.
Flugsimulator
Der Sender kann per mitgeliefertem USB-Kabel an den PC angeschlossen werden und als Controller für den FMS Flugsimulator genutzt werden. Freude bereitet hier das auf der CD enthaltene Video zur Einstellung und Nutzung des Senders mit dem Simulator in Landessprache des Herstellers. Anhand der Bildschirmeinblendungen (Pause-Taste!) lassen sich aber die notwendigen Konfigurationseinstellungen für den Simulatorbetrieb vornehmen.
Fazit
Den Koax-Heli Lama V4 kann ich als Einstiegs-Heli empfehlen. Dank des günstigen Preises, der Verfügbarkeit und der geringen Kosten von Ersatzteilen sowie der vollständigen Ausstattung des RTF-Paketes ist der Heli sicherlich für Anfänger zum Schnuppern im RC-Heli-Bereich eine klare Empfehlung. Die gutmütigen Flugeigenschaften und die Möglichkeit mit einem einfachen Simulator sich auch noch einige andere Modelle anzuschauen, sind hier ebenfalls Pluspunkte.